Radioaktive Stoffe zur Diagnostik und Therapie von Krankheiten an der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Die Nuklearmedizin ist ein faszinierendes Teilgebiet der Medizin, in dem verschiedenste radioaktive Stoffe zum Einsatz kommen, um mit der ausgesandten Strahlung diagnostische Untersuchungen oder Therapien durchzuführen.

Den Patienten werden abhängig von ihrem Krankheitsbild Radiopharmaka i.d.R. in die Vene gespritzt, um Erkrankungen wie Entzündungen und Tumore zu lokalisieren oder Stoffwechselvorgänge im Körper nachzuvollziehen. Neben der reinen Diagnostik ist es auch möglich, Krankheiten mit Hilfe der radioaktiven Strahlung gezielt zu therapieren. Hinter den Untersuchungen und Therapien verbergen sich spannende physikalische und technische Zusammenhänge, sowohl auf atomarer Ebene (radioaktive Umwandlungen, Wechselwirkungen der Teilchen) als auch in Bezug auf die umfangreiche Gerätetechnik, die in der Nuklearmedizin zum Einsatz kommt.

Die Praktikumsstelle

Auf Grund meines Interesses für Kernphysik, medizinische Geräte und bildgebende Verfahren absolvierte ich mein Pflichtpraktikum im Studiengang „Physikalische Technik – Medizinphysik“ bei den Medizinphysikexpert*innen der Klinik für Nuklearmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Die Klinik für Nuklearmedizin ist auf 3 der 4 Campi der Charité vertreten, ihr Hauptstandort befindet sich auf dem Campus Virchow-Klinikum. Für die Patientenversorgung steht modernste Gerätetechnik zur Verfügung, unter anderem 10 Gammakameras in unterschiedlichen Ausführungen, 2 PET/CT's und 1 PET/MR-Scanner. Sowohl in der konventionellen Diagnostik, als auch im PET-Bereich bietet die Klinik ein breites Untersuchungsspektrum an. Untersuchungen erfolgen z.B. mit den Nukliden Tc-99m, I-123, F-18 oder Ga-68, die an entsprechende Kits synthetisiert sind. Auf der nuklearmedizinischen Station mit angeschlossener Abklinganlage werden zahlreiche Therapien durchgeführt, u.a. werden Schilddrüsenerkrankungen mit I-131 behandelt, Prostatakarzinome mit Lu-177-PSMA und Lebertumore mit Y-90-Mikrosphären.

Tätigkeiten im Praktikum und dessen Vorbereitung im Studium

Während meines Praktikums bei den Medizinphysikexpert*innen bekam ich umfangreiche Einblicke in die vielfältigen Aufgaben dieses Berufszweiges in einer großen, universitären Klinik. In meiner Einsatzzeit beschäftigte ich mich intensiv mit der Durchführung von Qualitätskontrollen an den verschiedenen nuklearmedizinischen Gerätschaften und führte selbstständig unterschiedliche Messreihen mit Phantomen zur Konstanzprüfung und zum Vergleich der Geräte durch. Ich las mich in die entsprechenden DIN-Normen, Richtlinien und Gesetze im Bereich des Strahlenschutzes ein und unterstützte bei der Erarbeitung hausinterner Leitfäden. Die Medizinphysikexpert*innen begleitete ich regelmäßig zur Planung, Durchführung und Nachbereitung der unterschiedlichen Therapien, dabei erlernte ich z.B. die Durchführung von Dosimetrien. Besondere Höhepunkte im Praktikum waren die Vorbereitungen und Arbeiten am Zyklotron (Kreisbeschleuniger) zur Herstellung von O-15-Wasser für Hirnperfusionsuntersuchungen am PET/MR und die Unterstützung bei der Therapiegabe von Y-90-Mikrosphären in Zusammenarbeit mit der Angiografie.

Der Studiengang „Physikalische Technik – Medizinphysik“ an der Beuth Hochschule für Technik vermittelte mir zahlreiche nötige Grundlagen für mein Praktikum. Viele der in den Vorlesungen und Laboren erlernten Inhalte konnte ich in der Klinik praktisch anwenden. Besonders hilfreich waren die Module „Medizinische Messtechnik“, „Nuklearmedizin und Strahlenschutz“ und „Radiologie und Dosimetrie“, aber auch Aspekte aus „Bildgebung und -verarbeitung“ fanden nun einen praktischen Bezug.

Das Praktikum in der Klinik für Nuklearmedizin hat mir viel Freude bereitet und ich kann mir gut vorstellen, den abwechslungsreichen Beruf einer Medizinphysikexpertin später selbst auszuüben.

Gammakamera „Discovery NM/CT 670 CZT“ der Firma GE Healthcare, Hybridsystem für nuklearmedizinische Aufnahmen und CT, auf dem ein Zylinderphantom gemessen wird.
Spezielles Phantom aus Plexiglas in dem die Lunge, die Wirbelsäule und das Herz nachgebildet sind. Auf dem abgebildeten Fusionsbild (Überlagerung von nuklearmedizinischem Bild mit CT) ist das Phantom mit Radioaktivität (Tc-99m) gefüllt. Im Vergleich zum Weichteil (gesamter grüner Bereich) befindet sich im Herz (gelb-violett) eine höhere Radioaktivitätskonzentration.